Die Anfänge der EWU Sachsen

Die EWU Deutschland feiert in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag. Freilich zählt unser sächsischer Verein noch längst nicht so so viele Jahre. Dennoch ist das Jubiläum ein guter Anlass, auch einmal in die Geschichte unseres Vereins zu schauen. Wie ging eigentlich alles los mit dem Westernreiten in Sachsen? 


Einem Tipp folgend, dass es bei Familie Esfeld eine spannende Fotosammlung gibt, habe ich mich zur White Horse Ranch in Kaufbach aufgemacht. Wir haben einen sehr interessanten Abend verbracht, viel erzählt und viele, viele Bilder und Zeitungsausschnitte angeschaut.

Hier ist die Geschichte des Beginns unseres Vereins aus der Perspektive von Gerhard, Ruth und Brenda Esfeld:

"Du weißt wohl gar nicht so richtig wie alles losging?" schmunzelt Gerhard. Nein, so ganz die Anfänge kannte ich tatsächlich noch nicht und so erfuhr ich gleich zu Beginn, dass die Geschichte unseres Vereins eigentlich irgendwie auch der Beginn von gleich zwei Vereinen war. 

Aber von Anfang an: Es war einmal ein Restaurant in Scharfenberg. Bereits Mitte der 80er Jahre traf sich hier im gemütlichen amerikanischen Ambiente der Gaststätte von Familie Großer in regelmäßigen Abständen eine Gruppe von 20 bis 25 Country- und Westernfreunden, die sich zu den verschiedensten Themen austauschten. Dabei gab es ganz unterschiedliche Beweggründe, Teil des Stammtisches zu sein: die Einen genossen das Zusammensein mit Gleichgesinnten, für andere war es die Suche nach einem neuen, anderen Weg mit dem Partner Pferd, auch das Interesse, etwas gemeinsam mit Pferden zu unternehmen war ein Grund und für wieder andere war es einfach die pure Neugierde.
Man war hungrig auf alles, was irgendwie mit Westernreiten zu tun hatte, war doch dies alles noch recht neu im "Osten". Man wollte es nicht nur einfach irgendwie machen, sondern diese Reitweise in all seinen Facetten richtig kennenlernen. 

Schon vor der "Wende" konnten erste Kontakte zur EWU in der damaligen Bundesrepublik geknüpft werden. Eine Beziehung, die sich bezahlt machte, denn schon bald nach der Wiedervereinigung vermittelte der damalige EWU-Präsident Rolf Dieckwisch einen ersten Kurs mit Birger Gieseke nach Sachsen. Die Nachfrage war groß und so war Birger noch viele Male da und lud später Brenda Esfeld dazu ein, als Co-Trainerin auf seiner Ranch zu lernen und zu arbeiten.
1990 war es soweit: die Regiogruppe Sachsen in der EWU wurde gegründet und es entstand eine regelrechte Aufbruchstimmung.  Die Pioniere der ersten Stunden engagierten sich dabei vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit. Turniere der klassischen Reiter wurden genutzt, um das Westernreiten vorzustellen, Stadtfeste, Zeitungsfeste - einfach alles,wo viel Publikum da war. Möglichst viele Menschen sollten für die besondere Reitweise, für den anderen Weg mit Pferden begeistert werden. Man unternahm gemeinsame Ausritte, traf sich unter Gleichgesinnten. Not machte erfinderisch und so wurden Sättel selbst konstruiert, Schäferhüte - die einzig erhältlichen Hüte mit breiter Krempe - waren die ersten Westernhüte.

Im August 1992 wurde das allererste Westernreitturnier organisiert. Austragungsort war der Sportplatz in Schieritz (Zehren). Es gab die Disziplinen Trail für Einsteiger, Western Horsemanship, Pleasure, Reining und natürlich viel Zusammensein und Musik. Das Turnier kam prima an und wurde 1993 wiederholt - dieses Mal sogar mit einem Supertrail mit Quarter Mile Rennen und einem Preisgeld von 3.000 DM. 

In diesen ersten Jahren gab es viel Bewegung und auch unterschiedliche Auffassungen davon, wie der Verein ausgerichtet werden soll. Durch unterschiedliche Interessenslagen entwickelte sich parallel der Verband der Westernreiter Sachsen (VWS). Viele Reiter waren dabei in beiden Verbänden zugleich. Das gemeinsame Interesse verband eben und so fanden gemeinsam organisierte Treffen und Turniere statt.

Die Suche nach Öffentlichkeit war eine der wichtigsten Aufgaben der Gründer. Gerhards Wohnwagen war überall zu finden. Messeteilnahmen standen auf dem Programm und 1993 fuhr man bereits mit 2 Mannschaften zur Hippologica. Kooperationen mit anderen Regiogruppen, z. B. Brandenburg folgten und so fand das Westernreitern immer mehr Freunde. 

Nach und nach nahm der Turniersport eine immer größere Bedeutung in der EWU ein. Das kam nicht bei allen Mitgliedern positiv an und diese orientierten sich zum Teil in andere Vereine um.

Heute ist unser Verein mit rund 310 Mitgliedern der zweitgrößte Verein im Osten unserer Republik. Das große Engagement unserer Gründer, der ersten Aktiven war eine wichtige Grundlage zu dieser positiven Entwicklung. Einmal mehr sollten wir an die ursprünglichen Beweggründe, das Zusammensein, das gemeinsame Interesse, den anderen Umgang mit dem Partner Pferd, Sternenritte und nicht allein der Sport denken. 

Mein ganz großes Dankeschön geht an Gerhard Esfeld für das spannende Gespräch und an seine Familie für die Dokumentation in Wort und Bild unseres Vereins. Die Fotoalben und Ordner sind ein wahrer Schatz! Eine klitzekleine Auswahl haben wir für euch zusammengestellt.

Text: Kerstin Libuschewski